Zwischen gestern und heute

Einst im Januar

 
9. Januar 1823 – Die Geburt von Fiete Isbüdel

Friedrich on Esmarch, © 2015 Jürgen KullmannIn diesem Hause wurde der ruhmgekrönte Gelehrte und Chirurge Sr. Exzellenz Wirklicher Geheimer Rath Dr. Johannes Friedrich August von Esmarch, Professor etc., am 9. Januar 1823 geboren, liest man in Tönning über dem Eingang des Hauses Neustadt 39. Der aus einer alten Pastoren- und Juristenfamilie stammende Fiete war nur ein sehr mittelmäßiger Schüler. Er wählte wie sein Vater den Arztberuf, wurde später Direktor des Chirurgischen Klinikums in Kiel, nahm als Chirurg an den deutsch-dänischen Kriegen teil und stieg 1870 zum Generalarzt und beratenden Chirurgen der preußischen Armee auf.

Von Esmarch zählte zu den bedeutendsten Unfallchirurgen seiner Zeit und machte sich in Deutschland einen Namen als Mitbegründer der Ersten Hilfe, die er 1869 in seiner Schrift Der erste Verband auf dem Schlachtfelde propagiert hatte. Fiete Isbüdel nannten ihn die Tönninger aufgrund seiner Erfindung des Eisbeutels.

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1872 Prinzessin Henriette von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, eine Tante der späteren Kaiserin Auguste Viktoria, und wurde so zum Onkel des Deutschen Kaisers Wilhelm II.

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15. Januar 1362 – De grote Mandränke

Aus dem Schleswiger Stadtbuch: „Anno MCCCLXII am XVI. Tage des Januars, da war eine große Wasserflut im Frieslande, darin auf dem Strande 30 Kirchen und Kirchspiele ertranken.“

Sturmflut, © 2004 Hildegard Vogt-KullmannMit der Groten Mandränke oder 2. Marcellusflut (die wie die erste 143 Jahre zuvor am Tag des Heiligen Marcellus wütete) sucht eine der schwersten Sturmfluten des Mittelalters Nordfrieslands heim, die die Landschaft stark verändert und in der die zwischen dem heutigen Pellworm, Nordstrand und Südfall gelegene Gemeinde Rungholt untergeht. Die Chroniken sprechen von Tausenden von Toten. Viel weiß man nicht, doch wird vermutet, dass sich Überlebende von Rungholt dort niederlassen, wo bald darauf die Stadt Husum heranwachsen wird, die durch die Katastrophe profitiert, indem sie einen direkten Zugang zum Meer bekommt.

Aus alten Kirchenregistern, Aufzeichnungen von Grundbesitzern und dem Schleswiger Stadtbuch schließen Historiker, dass durch die Flut und ihre Folgen 44 Orte untergingen, die meisten unmittelbar und einige wegen fehlender Deiche und tiefer gewordener Priele in den Jahrzehnten darauf. Für den Leiter des Nordfriisk Instituut in Bredstedt Prof. Thomas Steensen ist sie eine der der großen Katastrophen des mittelalterlichen Europas und die Geburtsstunde des Nordfrieslands in seiner heutigen Form.

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19. Januar 1883 – Der Untergang der Cimbria

Zwei Brüder wollten wandern / Wohl nach Amerika, / Sie fuhren mit viel’ and’ren / Wohl auf der Cimbria – so beginnt das Lied vom Untergang des 1867 in Schottland gebauten Hamburger Transatlantik-Dampfers Cimbria, bei dessen Untergang zusammen mit 435 anderen Opfern auch zwei Brüder aus dem nordfriesischen Hattstedt ertranken. Im dichten Nebel war der Dampfer bei Borkum mit einem britischen Kohlefrachter zusammengestoßen. Nur 56 Passagiere überlebten die Katastrophe.

Bis zum Untergang der Titanic im Jahr 1912 galt der Untergang der als äußerst sicher geltenden Cimbria als die größte zivile Schiffskatastrophe weltweit, eine Katastrophe mit einem modernen Verkehrsmittel, die man für undenkbar gehalten hatte. Die Opposition im Reichstag bedrängte den Reichskanzler, Schiffsexperten forderten technische Neuerungen und Bürger riefen zu Spenden für die Opfer und Hinterbliebenen auf. Erst 1974 wurde das Wrack durch ein Suchschiff, das Informationen für Seekarten sammelte, entdeckt.

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22. Januar 2014 – Luftpost für Helgoland

Mit dem Zeppelin Sachsen wird erstmals ein Luftpostdienst nach Helgoland aufgenommen. Das Luftschiff mit der Baunummer LZ 17 war ein Jahr zuvor in Dienst gestellt worden und blieb bis zum Beginn des ersten Weltkriegs im Passagierdienst.

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24./26. Januar 1971 – Uraufführung des zweiteiligen Fernsehfilms Die Deutschstunde

Zum Inhalt: Siggi Jepsen, Insasse einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche, muss eine Strafarbeit zum Thema ‘Die Freuden der Pflicht’ schreiben und erinnert sich an seinen Vater, der als Polizist des nördlichsten Polizeiposten Deutschlands 1943 von der Obrigkeit den Auftrag erhielt, dem Maler Max Ludwig Nansen ein Malverbot auszusprechen und dieses Verbot zu überwachen, während er selbst sich auf die Seite des Malers schlug. Nach Kriegsende kommt sein Vater zu Überzeugung, dass es seine Pflicht sei, Nansens Bilder zu vernichten, kann das Versteck in der alten Mühle, in der sein Sohn einige von Nansens Bildern aufbewahrt hatte, entdecken und in Brand setzen. Siggi glaubt nun, Nansens Bilder vor seinem Vater retten zu müssen und wird zum Kunstdieb, was zu seiner Verhaftung und Einlieferung in die Besserungsanstalt führt.

Der Film nach dem 1968 erschienenen Roman von Siegfried Lenz wurde in der Region um Niebüll, Neukirchen/Nordfriesland, Galmsbüll und Emmelsbüll-Horsbüll gedreht. Als Vorbild für die Romanfigur diente der Maler Emil Nolde, der eigentlich Hansen hieß. Die Erstausgabe erschien 1968 bei Hoffman und Campe.

Im Sommer 2014 warf die Frankfurter Allgemeine Zeitung dem 88-jährigen Siegfried Lenz vor, mit seinem Roman Die Deutschstunde die Biografie Noldes schön geschrieben zu haben, indem er den Antisemitismus Noldes und dessen ursprüngliche Verehrung Hitlers unterschlagen und den Maler zu einer integren Hauptfigur seines Romans gemacht hatte.

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Einst im Januar – Nachrichten von der Westküste, letzte Ergänzung: 16.02.16