Zwischen gestern und heute

Einst im Mai

 
6. Mai 2012 – Piraten auf Gröde

Schleswig Holstein hat gewählt, und wieder einmal war die Gemeinde Gröde die erste im Lande, die ihre Stimmen ausgezählt hatte. Von Politikmüdigkeit keine Spur, und bei einer Wahlbeteiligung von 100 % lag bereits sechs Minuten nach der Schließung des Wahllokals das Endergebnis vor. Störtebeker ließ grüßen: Fast ein Fünftel der Halligbewohner (zwei von elf) erwiesen sich als Piraten, indem sie die Partei der selbigen wählten. Die alte Küstentradition wird hochgehalten!

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14. Mai 2010 – Das älteste Rind im Land

„Wer fünfzehn oder sechzehn Kälber gekriegt hat, muss nicht mehr in die Wurst“, so der Bio-Rinderzüchter Peter Pauli aus Norderstapel in einem Bericht der Husumer Nachrichten. 25 rekordverdächtige Jahre hat seine Highland-Kuh Carla nun schon auf dem Buckel und gilt damit als ältestes Rind Schleswig Holsteins.

Doch wie erreicht eine Kuh ein solch biblisches Alter? Durch Gespräche und Streicheleinheiten, erläutert sein Sohn, denn er und seine Eltern unterhalten sich täglich mit ihren Tieren. Dazu kommt ein Leben im Einklang mit der Natur und eine gesunde Ernährung. Sollte das nicht auch bei Menschen funktionieren?

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17. Mai 1545 – Der Todestag von Peter Wiben

Peter Wiben, auch als Peter Wiebe, Peter Wibe, Peter Wybe sowie unter dem Decknamen Hans Pommerink bekannt, stand zunächst als Landsknecht im Dienst der Dithmarscher Bauernrepublik, ehe er sich als Räuber und Pirat selbständig machte. Sein Geburtstag ist unbekannt. Erstmals erwähnt wurde er 1531, als er bei Brunsbüttel eine 500 Mann starke Miliz mit dem Auftrag anführte, einen Einfall des abgesetzten dänischen Königs Christian III. nach Dithmarschen abzuwehren. Nach einem verlorenen Erbschaftsprozess musste er 1540 sein Haus verlassen und wurde zuem erklärten Staatsfeind der Republik, der das Land mit seinen Gefolgsleuten terrorisierte.

Am 17. Mai 1545 wurde er von einem Stoßtrupp der Bauernrepublik, der auf zwei Schiffen auf Helgoland gelandet war, auf der Felseninsel überwältigt und erschossen. Seine Leiche wurde nach Heide gebracht und unter dem Jubel der Bevölkerung enthauptet und gerädert, wie hier:

[…] Sie segeln mit der Leiche heim,
Frohlockend empfängt sie der Strand.
Begleitet von unzähligem Volk,
Fährt der Wagen durchs Marschenland.
In Heide auf dem Marktplatz schlägt
Der Henker den Kopf ab behende;
Und als der Schandpfahl das Totenhaupt trägt,
Klatschen sie Beifall ohn Ende.
Anncke Huck reißt am Bart ihn und hat geschrien:
“Ut is dien Wark, dat blödie,
Wo is mien Wurth, wo sünd mien Swien” –
Das war der Schluß der Tragödie.

in der letzten Strophe der Ballade Wiben Peter, der Landesfeind von Detlev von Liliencron beschrieben ist.

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25. Mai 1863 – Die Geburt der Halliggräfin von Südfall

1910 erwarb die Gräfin Diana von Reventlow-Criminil die Hallig Südfall, um dort ihren Lebensabend zu verbringen, doch bevor sie die Menschenferne suchte und auf dem winzigen Eiland mit wenigen Bediensteten ein Einsiedlerleben führte, unternahm die auf Gut Emkendorf in Holstein geborene Gräfin ausgedehnte Reisen durch Europa, lernte das Leben an europäischen Höfen kennen und verbrachte einige Zeit am dänischen Königshof.

BuchcoverDreiundvierzig Jahre währte dieser Lebensabend, und in ihrem letzten Lebensabschnitt verließ sie ihre Hallig selbst in den harten Wintermonaten nicht mehr, wenn sie völlig vom Festland abgeschnitten war. Zum Baden musste ihr Kutscher Hans Maschmann allmorgendlich zwei Eimer Salzwasser aus der Nordsee holen, und wenn die Nordsee zugefroren war, wurde auf dem Fething ein Loch ins Eis geschlagen und das Badewasser von dort geholt.

Bei der schweren Oktoberflut des Jahres 1936 harrte die damals 74-jährige, nachdem sie den Kutscher ins Haupthaus geschickt hatte, knietief im Wasser stehend die Nacht im Stall bei ihren Pferden aus, die sie nicht allein lassen wollte. Gegen Ende des Krieges ging sie fast achtzigjährig eines Nachts auf das Watt um einen abgestürzten englischen Flieger auf die Hallig zu holen, wo sie ihn eine Weile vor den Machthabern verbarg, die sie als “braune Bagage” bezeichnete.

Erst als Tote verließ sie am 5. August 1953 auf einem von vier Pferden gezogenen Wagen ihre Hallig.

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26. Mai 1908 – Der Leuchtturm Westerheversand nimmt den Betrieb auf

Westerhever Leuchtturm, © 1997 Juergen KullmannZwei Jahre nach Baubeginn nimmt der Leuchtturm Westerheversand seinen Betrieb auf. Eigentlich hatte er auf dem Festland stehen sollen, doch da die Landeigentümer von Westerhever nicht verkaufen wollten, sah man sich gezwungen den Turm auf staatseigenen Grund und Boden in den Schlick zu setzen. Dazu wurden im Frühjahr 1906 127 Pfähle als Fundament fast acht Meter tief in den Boden gerammt und eine sechs Meter hohe Warft aufgeschüttet. Für den Transport der Baugeräte und des Materials waren vier Kilometer Feldbahngleise von einem kleinen Hafen bei Stufhusen zur Baustelle gelegt worden.

Nach vierzehn Monaten Bauzeit war das Werk aus 150 t Stahl und Gusseisen am 17. Juli 1907 vollendet und wurde von der Wasserbauinspektion Husum abgenommen, doch bis zur Aufnahme des Betriebs vergingen noch zehn Monate. Seit dem 26. Mai 1908 blinkt er nun in 41,5 m Höhe und leuchtet fast 40 km weit. Bei gutem Wetter ist es bis Helgoland zu sehen.

Die zwei Wohnhäuser auf der Leuchtturmswarft, die den Leuchtturm so unverkennbar machen, waren für die beiden Bediensteten mit ihren Familien vorgesehen, einem Leuchtfeueroberwärter und bis 1949 einem zweiten, als Maschinisten ausgebildeten Hilfswärter. Sie versorgten sich und ihre Familien mit einer kleinen Landwirtschaft, anfangs ohne Elektrizität und öffentliche Trinkwasserversorgung. Grund für die Doppelbesetzung war die Erfordernis eines Nachtdienstes, da die Kohlebrennstäbe der Bogenlampe nach neun Stunden ausgewechselt werden mussten, wobei das Leuchtfeuer für eine halbe Minute erlosch. Um diesen Wechsel jederzeit sicherzustellen, wurde für Vertretungen jeweils noch eine dritte Person als Hilfsleuchtfeuerwärter ernannt, darunter auch die Ehefrauen der Bediensteten.

1979 wurde der Betrieb des Leuchtturms nach einer Teilautomatisierung im Jahr 1975 vollständig automatisiert und die Leuchtturmwärter hatten ausgedient. Seither wird er vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Tönning aus gesteuert.

Quelle (u.a.): Eiderstedt. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum St. Peter-Ording, Garding, Tönning und Friedrichstadt. Böhlau Verlag, Köln Weimar Berlin 2013.

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31. Mai 1926 – Der Geburtstag von James Krüss

James Krüss – Insulaner und Weltbürger, lautet der Titel einer im Jahr 2009 erschienenen, von Klaus Doderer verfassten Biografie. Am 31. Mai 1926 wurde er auf Helgoland geboren.

„James Krüss hat Glück gehabt? Freilich! Auch Glück ist ein Talent, und wer kein Glück hat, hat ein Talent zu wenig. Es gab keine Umwege. Es gab keine Sackgassen. Das Glück hatte geholfen, die Laufbahn abzustecken. Nur eben, laufen musste der junge Mann selber. Und wie er lief! Ich kann es bezeugen. Ich stand neben der Laufbahn. Ich sah ihm zu. Und ich hielt ihm die Daumen“, so Erich Kästner über den Schriftsteller, zitiert aus dem Vorwort des Buches.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, zog James Krüss 1948 nach Reinbek bei Hamburg, gründete nach einem Lehramtsstudium die Zeitschrift Helgoland für die von der Insel vertriebenen Einwohner und begann ab 1951 Hörspiele und Gedichte für Kinder zu schreiben. Sein erstes Kinderbuch Der Leuchtturm auf den Hummerklippen erschien 1956; der ihm 1960 für Mein Urgroßvater und ich verliehene Deutsche Jugendbuchpreis machte ihn dann auf einen Schlag bekannt. Als sein populärstes Buch gilt – nicht zuletzt durch die Verfilmung als Fernsehserie – sein 1962 erschienener Roman Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen über einen Waisenjungen, der sein Lachen gegen die Fähigkeit verkauft, jede erdenkliche Wette zu gewinnen.

1966 übersiedelte James Krüss mit seinem Lebensgefährten nach Gran Canaria, wo er am 2. August 1997 starb. Am 27. September wurde er auf See vor seiner Geburtsinsel Helgoland bestattet.

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Einst im Mai – Nachrichten von der Westküste, letzte Ergänzung: 19.05.15