Zwischen gestern und heute

Einst im November

 
13. November 1812 – Eine Schriftstellerin und Frauenrechtlerin aus Tönning

Heute ist sie fast vergessen, die am 13. November 1812 in Tönning geborene Friederike Marie Ernstine Wolfhagen. Während sie in einer angesehenen Familie den Kinderschuhen entwächst, erholt sich die Stadt von der Rezession nach den napoleonischen Kriegen und dem Bankrott des dänischen Staates. Man hat wieder Geld und ergötzt sich auf Volksfesten im Schlossgarten, schreibt ihr Vater Friedrich Wolfhagen, der unter dem dänischen König Christian VIII zunächst Stadtsekretär, dann Polizeimeister und von 1839 bis 1843 Bürgermeister von Tönning ist.

Als 24-Jährige veröffentlicht sie unter dem Pseudonym Marie Norden ihre ersten drei historischen Romane, später wird die Situation von Frauen, die einen eigenen Weg suchen um durch selbständige Arbeit finanziell unabhängig zu werden, zu ihrem Thema. Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt ihres Vaters vom Amt des Bürgermeisters zieht die Familie nach Wandsbeck, wo sie nach seinem Tod mit ihren Texten zum Lebensunterhalt der Familie beiträgt.

1848 zieht sie mit ihrer Mutter und einer wie sie ledig gebliebenen Schwester nach Dresden und setzt sich in Aufsätzen für die Demokratiebewegung der Märzrevolution ein. Mit ihrer Abhandlung Die Friedensfrage in Schleswig-Holstein und dem Roman Die Dänen hinter dem Danewerk. Historischer Roman aus der jüngsten Vergangenheit Schleswig-Holsteins kritisiert sie das dänische Königreich, während ein jüngerer Bruder als Polizeimeister von Friedrichstadt von dänischen Truppen verhaftet wird. Bald schließt sie Freundschaft mit der sozialdemokratischen Schriftstellerin Louise Otto und schreibt Beiträge für eine von ihr herausgegebene Frauenzeitschrift, bis diese kurz darauf verboten wird, da Frauen laut Pressegesetz die Leitung einer Redaktion untersagt ist. Gesundheitlich angeschlagen veröffentlicht sie bis zu ihrem Tod am 3. Juli 1878 alle ein bis zwei Jahre ein weiteres Buch.

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19. November 1806 – Napoleon startet ein Wirtschaftsförderungsprogramm für Tönning

Am 19. November 1806 besetzen die Truppen Napoleons Hamburg, verbieten den Handel mit England und beschlagnahmen alle englischen Waren in der Stadt. Zwei Tage später verkündet Napoleon in Berlin per Dekret die Kontinentalsperre, die bis 1814 in Kraft blieb.

Tönning 1800Davon profitieren vor allem das zum dänischen Gesamtstaat gehörende Tönning und die Insel Helgoland. Während Tönning 1803 weniger als 2.000 Einwohner hatte, sind es 1807 bereits um die 6.000. Die Steuereinnahmen steigen auf ein Vielfaches, die Stadt erwirtschaftet erhebliche Überschüsse und investiert in Baumaßnahmen. Viele Geschäftsleute machten sich nach Tönning auf, erwerben Bürgerrechte – und im Hafen entsteht eine Gaststätte nach der anderen. Das obige Foto einer Infotafel am Markt zeigt den Ortskern um das Jahr 1800.

Nachdem sich Dänemark 1807 den Franzosen angeschlossen hat, ist es mit diesem Aufschwung zunächst vorbei, doch lebt die Blüte durch einträgliche Schmuggelfahrten nach Helgoland, das voll von englischer Ware ist, wieder auf. Zudem bringen ab 1809 neutrale amerikanische Schiffe Ware nach Tönning, die von hier weitertransportiert wird. Aber auch diese Wiederbelebung des Handels ist nur von kurzer Dauer, denn ab 1810 wird der Schmuggel zwischen Tönning und Helgoland durch scharfe Kontrollen nahezu unmöglich. Die fetten Jahre für die Stadt an der Eidermündung sind vorbei.

Weitere Informationen: Tönning im Wandel der Zeiten, Husum Verlag 1990 / Geschichte Nordfrieslands (Kassette mit 6 Bänden), Nordfriisk Instituut 2010 / Wikipedia u.a. Quellen im Internet

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27. November 1927 – Gunther Plüschkow sticht mit der Feuerland in See

Kutter Feuerland
Foto: Archiv Gerhard H. Ehlers,
Odenthal

Büsum. Klirrende Kälte, eisigscharfer Ostwind und Eis, soweit das Auge reicht. Seit vier Tagen sitzt Gunther Plüschkow an Bord seines zum Forschungsschiff umgebauten Sitzgatter-Kutter ‘Feuerland’ fest, die geplante Expedition nach Feuerland an der Südspitze Südamerikas scheint bereits im Heimathafen zu scheitern. Dann ist ihm das Glück hold, es gelingt ihm durch das Eis zu stoßen und in See zu stechen.

Seine Forschungsreise war erfolgreich: Als erster Mensch überflog er die Cordillera Darwin, die letzte große Erhebung der Anden auf Feuerland vor dem Ende Südamerikas, das Kap Horn und den heutigen Nationalpark Torres del Paine in Patagonien, hatte sich dazu eigens seinen Heinkel-Doppeldecker nach Punta Arenas im äußersten Süden Chiles verschiffen lassen. Er filmte und fotografierte. Sein Film Silberkondor über Feuerland kam als weltweit erster Dokumentarfilm in die Kinos und war ein Kassenerfolg, sein gleichnamiges Buch fand reißenden Absatz. Gunther Plüschkow kam kurz vor seinem 45. Geburtstag im Januar 1931 bei einem Flugzeugabsturz in Argentinien ums Leben.

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30. November 1817 – Der Geburtstag von Theodor Mommsen

Kiel im Jahr 1839. An der Kieler Universität begegnen sich zwei Studenten der Jurisprudenz und stellen fest, dass sie den gleichen Vornamen tragen und im gleichen Jahr weniger als 20 Meilen von einander entfernt in Nordfriesland geboren wurden. Man kommt sich näher und beschließt, sich eine Wohnung zu teilen. Auch außerhalb des Studiums teilt man einige Interessen, und so veröffentlichen sie 1843 mit dem Bruder des einen die Gedichtsammlung Liederbuch dreier Freunde, darüber hinaus sammelten sie schleswig-holsteinische Sagen.

Die Namen der beiden: Theodor Mommsen aus Garding und der um zwei Monate ältere Theodor Storm aus Husum, doch während Storm sein Leben lang seiner Geburtsstadt verbunden blieb, kehrte Theodor Mommsen, nachdem seine Eltern vier Jahre nach seiner Geburt Garding verlassen hatten, nie wieder dorthin zurück. Was die Stadt nicht davon abhielt, in 1895 zu ihrem Ehrenbürger zu ernennen und sich seit 2002 gar Mommsen-Stadt zu nennen.

Theodor Mommsen gilt als einer der einflussreichsten Historiker des 19. Jahrhunderts. Während der Märzrevolution von 1848 setzte er sich als Journalist in Rendsburg für seine liberalen Überzeugungen ein, wurde kurz darauf außerordentlicher Professor in Leipzig, aber nur wenig später wegen seiner Beteiligung am sächsischen Maiaufstand von 1849 entlassen. Mommsen missbilligte den Katholizismus, nannte Bismarck einen Schwindler und setzte sich gegen den Antisemitismus im Kaiserreich zur Wehr, doch seine größten Erfolge feierte er als Altertumswissenschaftler. Für seine als Meisterwerk der Geschichtsschreibung geltende Römische Geschichte erhielt er 1902 als erster Deutscher den Literaturnobelpreis. Er starb nur ein Jahr später am 1. November 1903 in Charlottenburg.

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Einst im November – Nachrichten von der Westküste, letzte Ergänzung: 03.09.15