Lotta kommt

Jahreswechsel 2011 / 12

 

Donnerstag, 22. Dezember 2011

NErik der Weihnachtsengel, © 2011 Jürgen Kullmannebel über Nordfriesland, verloren in der Marsch. Geht mit dem alten Jahr auch die Welt zu Ende? Vor uns das Nichts, und kein Auto hinter uns. Sind wir hier noch richtig? “Seid mal nicht bangig”, ertönt es von der Rückbank unseres alten roten Golfs, der wieder arg vollgepackt ist. Es ist Erik mit seinem Lieblingsspruch, unser Weihnachtsengel, der sich der Gruppenreise angeschlossen hat, zusammen mit Eileen Óg, Maureen, Paul, Sir Edward, Sergeant Pepper, Violetta … ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen. “Doch, doch, wir seien schon auf dem richtigen Weg, mischt sich Eileen Óg ein, die – so sagt sie – als Reise- und Navigationsschaf diese Gruppenreise organisiert hat. Rechts taucht ein Abzweigschild nach Lunden aus dem Nebel auf. Kommt jetzt die Eiderbrücke? “Mein Gott, wie können Menschen nur so wenig Durchblick haben, das ist doch erst Lunden I”, seufzt Eileen Óg. Acht Minuten später dann ‘Lunden II’, und da ist auch schon die Eiderbrücke und wir überqueren die Grenze zu Nordfriesland. Der Kirchturm von Tönning bleibt im Nebel verborgen.

Um 14.30 Uhr starteten wir vom Parkplatz hinter dem Hammer Bahnhof, um 19.30 Uhr kommen wir in Tönning an. Unser Vorratsschrank offeriert unter anderem eine Packung Mirakuli und eine Flasche Rotwein, so dass wir der Verlockung außer Haus essen zu gehen widerstehen. Die Gruppenreisenden schicken wir vorab zu Paddy-the-Sailor und Jan Hinrich ins Appartement. Als wir später hochkommen, haben sie es sich in unserem Bett bequem gemacht. Wir scheuchen sie in ihren Korbsessel zurück.

Von links nach rechts: Jan Hinrich, Sir Edward, Eileen Óg, Paul, Paddy-the-Sailor, Maureen, Sgt. Pepper und Violetta

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Freitag, 23. Dezember 2011

Mien Deern fährt fort

Gegen 5.45 Uhr werde ich wach. Die Gruppenreisenden im Korbsessel schlafen noch tief und fest, so dass ich mit dem Kaffee bis 7.30 Uhr warte. Dann beginnt es im Sessel zu rumoren. Wenn ich es recht verstehe, will man für die Tönninger Pukken ein Krippenspiel veranstalten und diskutiert darüber, wie die Rollen zu verteilen sind.

“Au fein”, sagt Paul, “dann bin ich der Pirat!” Verlegenes Schweigen. “Bei einem Krippenspiel gibt es keinen Piraten”, sagt Eileen Óg, doch Maureen widerspricht: Wenn Paul einen Piraten spielen wolle, darauf besteht sie, gehöre zu einem Krippenspiel auch einer dazu. “Hm”, meint Paddy-the-Sailor vermittelnd und denkt angestrengt nach, “da gibt es doch so ein Weihnachtslied ‘Es kommt ein Schiff gefahren’ oder so ähnlich, und könnte das nicht ein Piratenschiff sein?” “Genau”, brummt Sir Edward, “und mit dem Schiff kommen die drei Seebären aus dem Morgenland (dargestellt von ihm, Sgt. Pepper und Paddy-the-Sailor), um ihre erbeuteten Piratenschätze bestehend aus Gold, Weihrauch und noch irgend so’n Zeugs – “Vielleicht Whiskey?” hakt Maureen nach – dem Kind an die Krippe zu bringen.”

Denn Rest bekomme ich nicht mehr mit, denn wir wollen frühstücken und nach Husum zum Concord Matratzenmarkt. Zwei neue Matratzen und Lattenroste für Captain’s Bedroom erhöhen die Betriebsausgaben in der Steuererklärung um neunhundert Euro. Wir entscheiden uns für den Härtegrad 3, denn bei dem uns empfohlenen, angeblich für ein Schläfergewicht von bis zu 85 Kilogramm geeigneten Härtegrad 2 sinkt mein Liebster schon mit seinen 75 kg arg tief ein. Geliefert werden sie am Dienstag.

Anschließend erstehen wir vor dem Hagebaumarkt für € 2,50 eine riesige Menge Tannengrün und kaufen in Tönning den Aldi- und Sky-Markt leer. Zu Mittag gibt es Schweinefilet mit Spargel aus dem Gefrierschrank. Der angedachte Mittagschlaf fällt aus, denn Frau W. klopft an die Tür, um den Hausservice des letzten Vierteljahrs abzurechnen.

*  *  *

Lady Gregory, © 2011 Jürgen KullmannDie Ungeduld mancher Gestalten hier im Haus ist ja nicht mehr zum Aushalten! Schon seit gestern Abend rumpelt und miaut Lady Gregory im Zimmer Captain’s Daughter herum und will wissen, was wir ihr da mit Luftpolsterfolie umwickelt ins Boudoir geschoben haben. Eigentlich ist ja erst morgen Bescherung, aber egal, dann bauen wir ihr den kleinen, weißen Schreibsekretär heute schon auf. Das vierte Bein muckt beim Anbringen, muss sich dann aber Jürgens handwerklichem Geschick beugen. Lady Gregory ist sehr angetan von dem Ergebnis, lässt sich auf dem Stuhl davor nieder und meint, wir sollten ihr noch ein kleines Lämpchen für obendrauf besorgen. Wir treiben eines auf.

Little Folk, © 2011 Jürgen KullmannAls Mensch wird man in diesem Haus nur so hin und her gescheucht: Eileen Óg drängt, Nis Puks Empore über dem Appartement schon einmal einzurichten. Also gut, da die neuen Lattenroste und Matratzen für Captain’s Bedroom bereits bestellt sind, bauen wir die alten ab, transportieren den besseren Set von beiden die eine Treppe runter und die andere wieder hoch ins Appartement und dann weiter über die Hühnerleiter auf die Empore. “Passt super unter die Dachschräge”, meinen die drei Supervisor, nachdem wir die Matratze mit einem blauen Bezug bezogen haben, “genau die richtige Bühne, um Heiligabend mit Paul als Piraten ein Krippenspiel für die Tönninger Pukken aufzuführen.”

gez. Hildegard

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Sonnabend, 24. Dezember 2011

HKrippe, © 2011 Jürgen Kullmanneiligmorgen. Mien Deern kümmert sich heute ums Brötchenholen und bringt noch ein paar Kleinigkeiten von Ratjens mit, dazu eine Edelstahl-Casserole von Boye Hamkens am Markt. “Nein, nicht als Geschenk einpacken”, die brauchen wir selbst für den Festtagsbraten, denn die (einst) schwarz beschichtete aus unserer Küche sieht mittlerweile so grauslich aus, dass sich selbst die darin zu bettende Wolfskeule – Eileen Óg schaut mir gerade über die Schulter – entsetzt abwendet. Nach dem Frühstück bauen wir die Krippe auf. Unmengen von Tannengrün hatten wir gestern für die Hintergrunddekoration erstanden, der Rest wird draußen zwischen die Rosen an den Hauswänden gesteckt.

Ein Spaziergang bei schönem Wetter. Wir sitzen auf der Bank unterhalb des Alten Anlegers, beobachten die Enten auf dem Wasser und ich schreibe in dieses Buch. Nach einer Weile wird es uns auf dem Edelstahl zu kalt und wir wandern zur Alten Fischereigenossenschaft, die schon längst keine Genossenschaft mehr ist, und kaufen Fisch für eine friesische Brotzeit.

Am frühen Abend wandern wir zur Weihnachtsandacht in die St. Laurentiuskirche, doch an seine Predigt von vor zwei Jahren kommt Pastor Dirk Römmer in diesem nicht heran. Das Heiligabendmenü: Schweinefilet nach Art von uns Huus. Und so nähern wir uns der Bescherung, für die in Nordfriesland, so lesen wir in Kari Köster Lösches Stille Nacht, eisige Nacht, nicht das Christkind sondern der Herr Ruprecht zuständig ist.

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Sonntag, 25. Dezember 2011

Ein Schietwedder haben wir, dezenter kann man es an diesem Feiertag nicht ausdrücken. Zu Mittag gibt es aus der neuen Casserole Wolfskeule mit englischer Mintsauce und Bohnen – so erklären wir es unserem Reise- und Navigationsschaf Eileen Óg. Wir sind doch keine Schafe verspeisenden Kannibalen! So ganz scheint sie der Sache aber nicht zu trauen, denn sie sieht uns arg misstrauisch an.

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Montag, 26. Dezember 2011

Der Himmel lichtet sich, und während sich Maria und Josef, nun zu dritt, auf den Weg von Bethlehem zurück nach Nazareth machen und auf der Dingle Peninsula die Wren Boys von Haus zu Haus ziehen, wandern wir auf der Spitze der Halbinsel Eiderstedt über die Sandbank von St. Peter-Ording.

Windsurfer vor Vollerwiek, © 2011 Jürgen KullmannDie Heiligen drei Könige tauchen aus den Fluten auf – doch nein, es sind wohl eher Neptun und zwei seiner Jünger, die da prustend aus dem Wasser steigen. Wir bibbern bei dem Anblick und verziehen uns, da in der Arche Noah ‘kein Platz in der Herberge’ ist, ins Café Rasmus. Die Ausstattung stammt noch aus dem letzten Jahrhundert, aber der Kuchen ist frisch und lecker!

Eine Stunde später auf dem Deich bei Vollerwiek. Wir sitzen auf der Bank vor der verwaisten DLRG-Station, und es herrscht eine starke bis stürmische Brise. Vor der untergehenden Sonne versucht sich ein Windsurfer auf dem (für uns Landratten) tosendem Wasser. Die Reinkarnation des Schimmelreiters als Wellenreiter?

Am Nachmittag lauschen wir den Geschichten und der Musik zur Weihnachtszeit in der St. Laurentiuskirche. Das Erzählen übernehmen der Pfarrer und seine PfarrHerrin, für die Musik sorgen Kreiskantor Christian Hoffmann am Klavier und Uscha Stipanits mit ihrer Geige. Pastor Römer kommt mit einer plattdeutschen Erzählung daher, in der es um den Striptease eines alten Dörflers vor der Krippe geht. Mag sein, dass er dem frierenden Jesuskind seine Kleidung schenken will, doch die Feinheiten verstehen wir nicht. In der Geschichte seiner der Gemeinde vorstehenden Ehefrau geht es um den Wunsch nach einem Weihnachtsessen mit Bockwurst und Kartoffelsalat, was unerreichbar zu sein scheint, und der dann, oh Wunder der Weihnacht, am Ende doch erfüllt wird.

Schafe im Schnee, © 2011 Jürgen KullmannIm Schneesturm von der Welt abgeschnitten – wir stellen uns vor an der Straße von Tönning nach Husum – hocken am Heiligabend zwei einsame Menschen in einem einsamen Haus. Die Kinder können bei diesem Wetter nicht kommen, es gibt keine Chance noch etwas einzukaufen, und mit der Erinnerung an vergangenen Weihnachten mit Bockwurst und Kartoffelsalat wird das Verlangen danach immer größer. Da bleibt ein Fahrzeug in einer Schneewehe vor dem Haus stecken; der Fahrer klopft an und bittet um Unterschlupf, bis die Straße geräumt ist. Man freut sich über den unverhofften Gast und darüber, in dieser Nacht nicht alleine zu sein. Zwei oder drei andere Autos kommen in der Folge nicht weiter. Natürlich ist “Platz in der Herberge”, und ihre Insassen werden in die warme Stube gebeten. In netter Gesellschaft plaudert über vergangene Weihnachten mit Würstchen und Kartoffelsalat. Das Verlangen danach steigt von Stunde zu Stunde — bis zu guter Letzt ein Catering Service in der Schneewehe stecken bleibt, ohne Chance, sein Ziel noch zu erreichen und die Lieferung loszuwerden. Und was hat er an Bord? Würstchen mit Kartoffelsalat.

Auch wir haben inzwischen Hunger auf Bockwürstchen mit Kartoffelsalat, doch der Rest der Wolfskeule von gestern Abend ist auch nicht übel.

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Dienstag, 27. Dezember 2011

Warten — nein, nicht auf Godot, sondern auf die neuen Matratzen und Lattenroste für Captain’s Bedroom, die heute angeliefert werden sollen. Wir warten um 9 Uhr, wir warten um 10 Uhr, wir warten um 11 Uhr und wir warten um 12 Uhr. Denn dummerweise hatten wir nicht gefragt, zu welcher Uhrzeit der Spediteur sich nach Tönning aufmachen wollte.

Dann werde ich abkommandiert, erst einmal die Einkaufsliste abzuarbeiten, die wir in den vergangenen Tagen zur Vorbereitung von uns Huus auf die ersten Gäste des Jahres 2012 aufgestellt hatten. Als ich nach zwei Stunden zurückkomme, sind die Matratzen seit einer halben Stunde da. Nach einer weiteren halben Stunde klopft jemand an die Tür und fragt nach den alten Matratzen, die wir gerade für teures Geld hatten entsorgen lassen.

Die abendliche Hauptmahlzeit des Tages: Fisch, Bratkartoffeln und Bier.

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Mittwoch, 28. Dezember 2011

Wir werkeln am Haus: hier etwas ausbessern und da etwas Farbe drauf, damit für die nächsten Gäste alles frisch renoviert aussieht. Doch gar so viele Macken an den Wänden gibt es nicht, nur ein paar Streifen an der Wand neben der Treppe zu den Schlafzimmern, über die die Koffer nach oben getragen werden. Dann noch ein paar Fotos fürs Internet vom neuen Schreibsekretär im Zimmer von Captain’s Daughter.

Am Mittag geht’s nach Husum, Lotta vom Bahnhof abholen. Das Mädchen, inzwischen ist sie dreizehn, wirkt etwas erschöpft, und so kochen wir wedder tohuus Spaghetti Bolognese, denn der Tag ist noch nicht gelaufen: In der Stadthalle wird am Abend die plattdeutsche Komödie De Schelm vun Möölbrook aufgeführt. Die junge Dame ist etwas müde, hält aber tapfer durch.

Gegen halb elf sind wir wieder im Haus. Lotta geht schlafen und wir hätten eine Flasche Wein entkorkt, wenn sie nicht einen Schraubverschluss gehabt hätte.

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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ein Regentag und ein erfolgloses Shoppen mit Lotta in Husum. Papa hatte ihr Geld für eine Jacke mitgegeben, doch sie findet keine, die ihr gefällt. Zu Mittag speisen wir im Ratskeller, Lotta schmeckt’s. Anschließend besuchen wir das Husumer Weihnachtshaus, geleitet von der Herzensdame des Inhabers des Husum Verlags. Vor einigen Jahren wurde sie als Siegerin einer NDR-Quizshow zur Leuchte des Nordens gekürt.

Auf dem Rückweg läuft uns vor dem Tönninger Sky Markt unser nachbarschaftliches Raubein über den Weg, das sich über die junge Deern in unserer Begleitung wundert. Das passe wunderbar, meint er, seine junge Deern sei im gleichen Alter und habe Sylvester noch keine Verabredung. Dann könnten wir den Jahreswechsel bei ihm und seiner Angetrauten verbringen und die beiden Mädels sich selbst überlassen.

Wieder daheim, gibt es Kaffee und Kuchen. Am Abend betätigen sich Lotta und meine Deern künstlerisch mit Farbe und Papier, derweil ich mit Kamera und Stativ zum Hafen aufbreche, um ein bisschen Weihnachtsstimmung einzufangen.

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Freitag, 30. Dezember 2011

Dann versuchen wir es doch einmal mit Flensburg, es wäre doch gelacht, wenn unser Norden für Lotta nicht den Trenchcoat ihrer Träume bereithält. Und tatsächlich, bei Esprit in der Haupteinkaufsmeile wird sie fündig, schlüpft hinein (Größe 36) und behauptet, “er passt”. Mien Deern beäugt etwas zweifelnd ihr Patenkind: “Ist er vielleicht nicht doch etwas … ?” “Nein, nein, der passt, und außerdem wachse ich ja noch etwas.”

Was tun mit einer 13,5-Jährigen, die sich ein zu großes Kleidungsstück verliebt hat? Und in einer kleineren Größe als 36 dürfte es den Trenchcoat wohl kaum geben. Mit wenig Hoffnung durchforstet sie die verschiedenen Größen an der Stange. Doch! Ihr Blick hellt sich auf: “Probier doch den mal, Lotta, Größe 34.” “Jaaa, der passt auch!” Der Tag ist für alle Beteiligten gerettet, wahrscheinlich nicht nur der Tag, sondern auch Lottas Nordfrieslandbesuch in toto. Fünfzig Meter weiter, bei H & M, kauft sich Lotta noch einen Schal. Dann gehen wir italienisch essen, und beim Verlassen des Restaurants hat sie ihren neuen Trenchcoat an und in der Einkaufstüte befindet sich die alte Jacke.

Am Abend dann ein neuer Workshop im Atelier Uns Huus. Zum Einsatz kommt die Pastellkreide, die die Mädels bei Karstadt in Flensburg erstanden hatten. Das Ergebnis ziert anschließend die Wohnzimmertür.

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Sonnabend, 31. Dezember 2011

Der letzte Tag des Jahres beginnt mit dem Jahresschlusseinkauf im Sky Markt, mit vielen Einheimischen und ein paar Touristen die letzte Chance wahrnehmend, in diesem Jahr noch etwas für die Wirtschaftsförderung zu tun. Anschließend macht sich Lotta auf die Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für ihre Schwester und wird bei Boye Hamkens fündig.

Den Nachmittag verbringen wir zu Dritt am Küchentisch, mit Schnibbeln und sonstigen Vorbereitungen für ein Käse-Raclette am Abend. Dazu werden unter anderem Speckdatteln nach Lottas Rezept vorbereitet, eine davon in einer kleinen, von Lotta gutgeheißenen Abwandlung mit einer Spezial-Harissa-Füllung — in Anlehnung an eine Geschichte aus einem alten Kinderbuch, in der bei einer Geburtstagsparty ein Pfannkuchen mit Senf gefüllt ward.

Gegen acht Uhr wandern wir mit unseren vorbereiteten Gaumenfreuden zu unserem nachbarschaftlichen Raubein. Sien Fru muss heute Nacht arbeiten, in einem Seniorenheim noch ältere Herrschaften als unsereiner ins Jahr 2012 hinüberbegleiten. Und so ist er mit seiner jüngsten Tochter Mara allein, uns ausgenommen, versteht sich.

Feuerwerk, © 2008 Juergen KullmannUnser speziell für diesen Anlass erworbener Raclette-Ofen stinkt zum Himmel oder, besser gesagt, zur Küchendecke. Ganz normal für ein neues Gerät, meint der Hausherr, es müsse halt vor dem Ersteinsatz einmal kräftig durchgeheizt werden. Das haben wir – wer liest heutzutage schon Gebrauchsanweisungen? – weder gewusst noch getan; also eine Verlängerungsschnur geholt, das Ding in den Garten gestellt und die Sache nachgeholt. Und während das Öfchen sich aufheizt, werden auch Lotta und Mara miteinander warm.

Zur Nahrungsaufnahme fällt mir weiter nichts ein, kulinarische Beschreibungen sind nicht mein Metier. Nur seltsam, dass die Spezialdattel nicht wieder auftaucht – zumindest lässt sich niemand etwas anmerken. Um Mitternacht folgt die große Knallerei in der Süderstraße. Anschließend trifft die halbe Bewohnerschaft der Süder- und Deichstraße in der Küche unseres Gastgebers ein, derweil Lotta, Mara und weitere dazugestoßene Mädel durch Tönning strolchen. Irgendwann kommt Lotta herein und bittet um den Schlüssel: sie wolle mal allen uns Huus zeigen, die Wohnungen der anderen hätten sie schon besichtigt.

Um halb vier in der Früh treten wir den geordneten Rückzug an.

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Sonntag, 1. Januar 2012

Kurz vor halb zehn werden wir wach. Haben wir gestern abend heute morgen eigentlich ‘das Kind’ mitgebracht? geht mir durch den Kopf. “Wir haben”, beruhigt mich mien Deern.

Es ist zehn Uhr oder auch etwas später. Wir sitzen beim Kaffee in der Küche, Lotta hat sich noch nicht blicken lassen. Da klingelt es. Mara steht vor der Tür, frisch und fröhlich, und fragt nach Lotta. Die muss das geahnt haben, denn ehe wir sie zum Lotta-Wecken hinaufschicken können, kommt sie schon die Treppe herunter.

Lotta isst einen Happen, dann schicken wir die Mädel raus zum Straßefegen. Das machen sie so gründlich, nicht nur vor dem eigenen Haus, dass jede von ihnen von den Nachbarn noch ein Trinkgeld bekommt.

Zu Mittag gibt es Tomatensuppe, auferstanden aus den Resten der Spaghetti-Bolognese-Sauce von gestern Mittag. Auch Mara lässt sie sich munden, obwohl sie Tomatensuppe, wie ihr Vater erzählt, als er eine Stunde später vorbeischaut um uns für heute Abend zum Resteessen einzuladen, daheim strikt ablehnt. Er sagt nicht nein zu einem Bier.

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Montag, 2. Januar 2012

Ziemlich früh hatten wir uns gestern Abend nach dem Resteessen von unserem Gastgeber verabschiedet. Nun räumen wir auf, putzen, packen das Auto und bereiten alles auf die Abreise vor, erst nach Bremen (Lotta abgeben) und dann weiter nach Dortmund. Zwei Kilo Matjes von der Alten Fischereigenossenschaft kommen auch noch mit, geordert von zwei Tanten aus dem Ruhrgebiet mit gemeinsamen 171 Jahren Lebenserfahrung.

Wir schließen die Tür, Lotta und Mara sehen sich tief in die Augen und umarmen sich. Dann steigen wir ins Auto und lassen Nordfriesland hinter uns.

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Unser Leben in ‘Uns Huus’: Dezember 2011
Letzte Bearbeitung 03.05.2018