Ein neuer Zaun

Frühjahr 2013

 

Freitag, 19. April 2013

Nach einem kleinen Stau vor dem Elbtunnel sind wir gegen 19 Uhr in Tönning. Mien Deern zeigt sich ein wenig enttäuscht: der in Auftrag gegebene neue Zaun steht noch nicht. Kühl ist es heute Abend. Holzkloben sind genug im Schapp, und so wird der Kaminofen angefeuert.

Zum Abendessen gibt es Spiegeleier mit Tomaten auf zwei Scheiben Brot, dazu anderthalb Flaschen Wein, einen weißen und eine halbe Flasche roten.

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Sonnabend, 20. April 2013

Die aus Dortmund mitgebrachte Rose drängelt, sie will endlich in die Erde. Es ist die erste Aktion nach dem Frühstück, nein, die zweite, denn zunächst kommt das neue Werbeschild mit dem QR-Code an den Briefkasten. Die Nachbarn von der Schmückerei haben ein Smartphone, mit dem sich der Code testen lässt. Es klappt, die Website wird aufgerufen.

Die Rose neben der Haustür war im Winter von uns gegangen; nun soll eine neue den Eingang zieren. Beim Entfernen des halbrunden Ranggitters vor der verblichenen Rose brechen drei der vier Schrauben ab. Um es nach dem Einpflanzen ihrer Nachfolgerin wieder anbringen zu können, müssen geringfügig tiefer neue Dübellöcher in die Wand. Die ersten drei gehen problemlos ins Mauerwerk, beim vierten ist nach zwei Zentimetern Schluss. Ich ziehe die Bohrspitze heraus, fasse sie an, verbrenne mir an dem glühenden Ding zwei Finger und laufe die nächsten zwei Stunden die Finger mit einem Kühlkissen umwickelt herum, selbst noch am Mittag beim Einkaufen im Sky Markt.

Am Nachmittag werden ein paar Blumen eingepflanzt – mehr Gartengestaltung lohnt nicht, solange der neue Zaun nicht steht. Dann sonnen wir uns auf der Bank neben der Hintertür. Die Rosen rechts und links an der Wand haben anders als die an der Haustür ihren zweiten Winter gut überstanden und knospen. Mien Deern holt die Rosenschere und beschneidet sie, so wie sie es am Donnerstag bei einem Kurs im Westfalenpark gelernt hat – soweit ihr Mut reicht, denn gar so radikal wie dort gelernt wagt sie es dann doch nicht.

Frau W. kommt vorbei. Wir machen die Abrechnung, besprechen den Belegungsplan und teilen unsere zwei Stücke Kuchen durch drei Personen. Am Abend gibt es Sauerfleisch mit Bratkartoffeln.

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Sonntag, 21. April 2013

Ein windstiller, sonniger Sonntag, wie bestellt zum Fahrradfahren. Der geplante Ausflug zu den Wikingern von Haithabu wird auf ‘irgendwann später einmal’ verschoben. Wir radeln nach Vollerwiek.

Durchs Katinger Watt. Die Bäume sind noch winterkahl, und wenn auch die Wiesen rechts und links des Binnendeiches eher grau wirken und nur wenig frisches Grün zeigen, tummeln sich auf ihnen Herden von Lämmern mit ihren Müttern. Ausgesprochen kommunikativ sind die Graugänse, die an den Wasserflächen einen Zwischenstopp eingelegt haben, um sich von den NABU-Beobachtungsstationen aus fotografieren zu lassen. Ihr Schnattern übertönt selbst das laute Mähen der Schafe.

Fischimbiss Vollerwiek, © 2011 Juergen KullmannAn der Badestelle Vollerwiek deutet nur wenig darauf hin, dass hier in zehn Tagen unter der Aufsicht des Meeresgottes Neptun das große Anbaden stattfindet. Nicht ein Strandkorb steht auf der Wiese vor dem Außendeich, und die meisten Bänke sowie die Sandkästen für die Kinder warten noch darauf, aufgebaut zu werden. Der Imbiss hinterm Deich hat geöffnet, aber wir vermissen im Aushang die von uns so geschätzten Scampi-Spieße. Auf Nachfrage gibt es sie dann doch, auch wenn uns der Preis mit € 11,50 in diesem Jahr etwas happig erscheint. Kosteten sie im vergangenen nicht das gleiche wie der Friesenteller, der bestehend aus Röstkartoffeln mit einem Matjes-, einem Brat- und einem Bismarckhering für € 8,90 auf der Karte zu finden ist?

Bei diesem stolzen Preis lassen wir uns windgeschützt in der warmen Sonne sitzend mit dem Essen viel Zeit und beobachten unsere Mit-Esser an den anderen Tischen. Auch die Scholle, die einer Dame neben uns mundet, sieht lecker aus, wenngleich sie (die Scholle) keinen besonderen Wert darauf gelegt haben dürfte. Ihr Gegenüber erinnert an Old Wabble aus den Karl-May-Büchern unserer Kinder- und Jugendtage: tief hängt und wabbelt sein Bauch über dem Hosenbund. Als wir aufbrechen und ein zweites Mal auf den Deich steigen, steht im Vorland der erste Strandkorb des Jahres. Die Saison ist eröffnet.

Zurück in Tönning klingeln wir bei Familie ***, um uns aus Dortmund zurückzumelden. Der Hausherr öffnet und wirkt verstört, er würde am Abend bei uns vorbeischauen. Zwei Stunden später klopft er an und erzählt, dass seine Mutter gestorben ist.

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Montag, 22. April 2013

Der erste Tag des Zaunaufbaus. Als mien Deern sich zum Brötchenholen aufmacht, steht der zweite stellvertretende Bürgermeister von Vollerwiek, im Hauptberuf Tischler, bereits mit einem Kollegen vor der Tür. Der morsche Zaun zur Schmückerei wird abgebaut und Halter für sieben Pfosten werden in Beton gesetzt. Das dauert.

Nach der Verköstigung unserer Handwerker zu Mittag bringe ich mein Fahrrad zu Zweirad Krause. Im vergangenen Jahr war einer der beiden Schalthebel abgebrochen und der Meister hatte ihn, da das Original nach 25 Jahren beim Hersteller nicht mehr erhältlich war, durch einen anderen ersetzt, mit dem der schnellste Gang nicht genutzt werden kann. Nicht, dass ich ihn je vermisst hätte, doch nachdem es kürzlich einem netten Mitmenschen mit eBay-Account gelungen war, einen passenden Originalhebel aufzutreiben, soll der nun auch eingebaut werden.

Anschließend fahren wir nach Friedrichstadt, denn es wird langsam Zeit, bei Frau Pölkow den Weihnachtsgutschein für mein Mädchen einzulösen. Die Chefin ist zwar nicht im Haus, doch findet sich auch ohne ihre Beratung etwas Hübsches — und nicht nur das. Am Ende liegt der Gesamtwert der Einkäufe beim Dreifachen des Gutscheins.

Zwei Stunden später, im Max-Bahr-Baumarkt von Husum, werden wir noch einmal gut achtzig Euro los: Zaunfarbe, Gartenpflanzen und diverse Kleinigkeiten wie Schrauben und Dübel. Abheften für die nächste Steuererklärung!

Bei unserer Rückkehr haben die beiden Handwerker das Feld geräumt. Weiter geht’s am Donnerstag.

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Dienstag, 23. April 2013

Am Vormittag mache ich mich daran, den Zaun und das Tor zur Straße zu streichen. Doch dem Tor ist .die Farbe unsympathisch: es schlägt zu, die Dose kippt um und die Farbe läuft über das Pflaster …

Für den Abend hatten wir zwei Nachbarn zum Essen eingeladen. Es wird etwas später, denn die Pastorin ist beim Anklopfen noch da, um die Beerdigung der verstorbenen Mutter des Hausherrn zu bereden. Dann ziehen wir los, der Sohn der Verstorbenen meint, die Ablenkung tue im gut. Der Rote Hahn hat aus unerfindlichen Gründen geschlossen, und so gehen wir im Weingarten vor Anker. H. kennt (natürlich) den Kellner, der die Sache für ein Geschäftsessen hält und uns eine Bewirtungsbescheinigung ausstellen will.

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Mittwoch, 24. April 2013

AFischimbiss Vollerwiek, © 2011 Juergen Kullmannuf nach Husum, neue Farbe besorgen – ob sie dem Tor gefällt oder nicht! Wedder tohuus wird die Streichaktion fortgesetzt, anschließend kommt der Zaun zum Grundstück unserer Nachbarn von der Süderstraße dran. Fachgerecht ausgeführt oder nicht, das Algengrün ist weg! Und während ich hier unten den Pinsel schwinge, bessert mien Deern fünf Meter höher die Farbe an den Fenstern zum Appartement aus.

Am Nachmittag sitzen wir auf der Bank zwischen den Rosen und betrachten das getane Werk, zur Linken das frisch gestrichene Tor und den Zaun zur Deichstraße, zur Rechten den nun schwedischroten Zaun zu den Nachbarn an der Süderstraße und haben nach Abriss des alten Zauns geradeaus einen freien Blick auf die Terrasse unserer Nachbarn von der Schmückerei, wie sie ihre Werkstatt nennen. Milou, ihrem kleinen Hund, scheint die Vergrößerung seines Reviers zu gefallen, doch die Halter für die neuen Pfosten stehen schon. Morgen Abend wird unser Gärtchen wieder ein ‘geschlossenes System’ sein!

Zum Abendessen gibt es den ersten Spargel der Saison mit einer Orangen-Hollandaise-Sauce. € 4,50 für Fahrtkosten musste ich letzte Woche investieren, um an Orangen mit unbehandelter Schale zu kommen.

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Donnerstag, 25. April 2013

Der Zaunaufbau geht weiter. Als ich mit den Frühstücksbrötchen vom Bäcker komme, wird gerade der erste Pfosten in die erste Halterung gesteckt.

Wir wollen nicht stören und versuchen, bei ALDI eine im Prospekt angepriesene Gartentischdecke zu erstehen. Das Angebot gilt erst seit zwei Stunden, doch ist sie nicht mehr in gewünschter Farbe und Größe erhältlich. Hartnäckig versuchen wir es in St. Peter-Ording, aber auch hier gibt es sie weder in Grün noch in ovaler Form. Doch irgendetwas müssen wir kaufen, um die zwanzig Kilometer Fahrt zu rechtfertigen: aus dem Dänischen Bettenlager kommen drei Wandhaken für den Pavillon mit.

Nach der Heimkehr laden wir unseren Tischler zum Lunch unterm Pavillon ein, dann setzt er seine Arbeit fort, bis wir am späten Nachmittag das Ergebnis seiner Arbeit bewundern können. Frau W. kommt vorbei, nimmt die Einladung zu einem Glas Rotwein an und bewundert mit.

Am Abend hole ich das Fahrrad aus der Werkstatt ab. Der Austausch des Schalthebels hat geklappt, doch meint Meister Krause, Tretlager und Schaltung seien etwas ausgeleiert. Kann gar nicht sein, protestiere ich (innerlich). Schließlich ist das Fahrrad gerade einmal so alt wie unsere Ehe, und da ist nach einem Vierteljahrhundert auch nichts ausgeleiert!

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Freitag, 26. April 2013

Sie war eines der traditionsreichsten Unternehmen der grauen Stadt am grauen Meer, die 1899 gegründete Buchhandlung Delff an der Krämerstraße, und über Jahrzehnte hinweg und Husum hinaus die Adresse, wenn es um Literatur von und über Theodor Storm ging. Im Sommer 2007 wurde sie von der Handelskette Weiland übernommen und änderte ihren Namen. Sonst änderte sich zunächst nichts. Dann schluckte Hugendubel Weiland, und der Name änderte sich erneut – nur nicht für lange, denn vor einem Monat schloss Hugendubel die übernommene Filiale und überließ die Räumlichkeiten einem sogenannten 1-Euro-Laden.

Vor diesem 1-Euro-Shop stehen wir jetzt gleichermaßen verduzt und traurig. Manch ein Buch, das wir hier entdeckten, ist in den letzten Jahren in unsere ‘friesische Hausbibliothek’ gewandert. Wir wandern auch, aber in den Husumer Ratskeller.

Fischimbiss Vollerwiek, © 2011 Juergen KullmannAuch Tönning ist um ein Stück Geschichte ärmer: die kleine Jugendstilvilla an der Herzog-Philipp-Allee wurde abgerissen, um Platz für den Parkplatz eines Supermarktes zu schaffen. Mehrfach stand sie zum Verkauf – auch wir hätten sie 2006 durch Erwerb retten können –, doch am Ende war es der Discounter Netto, der die Preisvorstellung des Eigentümers akzeptierte, um das Gebäude dann gleich abzureißen.

Nicht viel anderes erging es im letzten Jahr der Friedrichstädter Eidermühle. Der Käufer machte sie umgehend platt und hinterließ ein Schotterfeld für einen künftigen Investor. Der lässt allerdings auf sich warten, denn ein Jahr ist vergangen, und noch immer liegt das Areal brach.

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Sonnabend, 27. April 2013

Wir räumen die Wohnung auf und warten auf die neuen Feriengäste. Gegen halb zwei treffen die beiden Cousinen ein, und wir übergeben ihnen für eine Woche uns Huus.

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Unser Leben in ‘Uns Huus’: Frühjahr 2013
Letzte Bearbeitung 17.09.2019