Zwischen gestern und heute

Einst im Dezember

 
3. Dezember 2005 – Die Zukunft der friesischen Sprache

Der 39-jährige Abgeordnete Lars Harms vom Südschlewigschen Wählerverband ist ungekrönter Oberfriese Schleswig-Holsteins und wohnt daher laut Handbuch des Landtags auch nicht in Husum sondern in Hüsem. Letzte Woche verkündete Harms die frohe Botschaft, dass sich die Zahl der Friesisch lernenden Schüler in den letzten 20 Jahren auf 1.455 fast verdoppelt hat. Peter Höver von den Husumer Nachrichten rechnet nach: Geht das in diesem fulminanten Tempo weiter, wird in rund 78.000 Jahren jeder Schleswig-Holsteiner Friesisch sprechen.

Bis auf eine Schule auf Helgoland (Kreis Pinneberg), liegen alle 24 Schulen, an denen Friesisch unterricht wird, in Nordfriesland.

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9. Dezember 1678: Der Todestag des Malers Jürgen Ovens

Der Name des Jürgen Ovens wird fast stets in Verbindung mit dem seines Lehrers Rembrandt genannt. Es hat ihm genützt und geschadet zugleich. Sein Verhältnis zu dem großen Holländer hat auch den Holsteiner vor dem gänzlichen Versinken in die Nacht der Vergessenheit bewahrt. Aber die überragende Bedeutung Rembrandts läßt den Künstler Ovens des ungleichen Maßstabes wegen von vornherein nicht im richtigen Lichte erscheinen. Zu seinen Lebzeiten war er gefeiert und hochgerühmt. Doch nach seinem Tode verblaßte sein Ruhm bald. Sein Name und sein Wirken entschwanden aus dem Gedächtnis der Menschen.

In einem Schriftchen von 1805, das die damaligen Zustände in Tönning schildert, werden die berühmten Männer genannt, die dort geboren sind oder sich dort aufgehalten haben. Wir erfahren, daß die Stadt als Geburtsort eines Meibom, Tetens, Schinmeier bekannt genug sei. Neben diesen heute völlig vergessenen Größen wird Ovens überhaupt nicht erwähnt. Auch Feddersen, Beschreibung der Landschaft Eiderstedt, 1853, zählt die berühmten Männer Tönnings auf. Wir hören außer von Meibohm auch von einem Zeitgenossen des Ovens, Grammius, der Professor der Physik und der griechischen Sprache zu Kiel war. Von Ovens selbst aber schweigt auch Feddersen. Der Maler war eben dem Gedächtnis der Menschen völlig entschwunden.”

Dr. Harry Schmidt, 1922

Maria Ovens auf einem Bild von Jürgen Ovens, © Foto 2015 Juergen KullmannJürgen Ovens wurde 1623 in Tönning als Sohn des Ratsherrn Ove Broders und seiner Frau Agneta geboren. 1640 ging er als Schüler Rembrandts in die Niederlande und kehrte 1651 von Amsterdam nach Schleswig-Holstein zurück, wo er die Tochter eines reichen Tönninger Ratsherrn (rechts ein Bild von ihr aus dem Jahr 1655) heiratete und mit seiner Familie nach Friedrichstadt zog. In der Folge wurde er vor allem für seine Gemälde als Hofmaler der Herzöge von Holstein-Gottorf bekannt.

Nach erneuten Auslandaufenthalten in Stockholm und Amsterdam kehrte er 1675 nach Friedrichstadt zurück, wo er am 9. Dezember 1678 starb. 1675 malte er dort das Altarbild der St. Christophorus-Kirche, auf dem er sich in einer Männergestalt oben links selbst verewigte. In seiner Geburtstadt Tönning findet man in der St. Laurentiuskirche ein Epitaph mit seinem Selbstportrait und dem seiner Frau über einem von ihm gemalten Bild der Heiligen Familie. 1703 stifteten seine Kinder der Kirche die vom Hamburger Bildhauer Henrich Roelcke gefertigte Kanzel.

Siehe auch: Harry Schmidt, Jürgen Ovens, Sein Leben und seine Werke. Erschienen im Selbstverlag und gedruckt in der Westholsteinischen Verlagsdruckerei, Heide 1922.

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10. Dezember 2011

Nord-Ostsee-Bahn bei Oldenswort, © 1997 Juergen KullmannZum letzten Mal verkehrt ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn auf der Strecke Husum–Tönning–St. Peter-Ording. Am 5. November 2000 hatte die Nord-Ostsee-Bahn die bis Anfang der 1990er Jahre von der Stilllegung bedrohte Strecke nach einer Ausschreibung durch das Land Schleswig-Holstein von der Deutschen Bahn übernommen und mit modernen Triebwagenzügen attraktiv gemacht. Bei der erneuten Ausschreibung zehn Jahre später hatte sie dann allerdings das Nachsehen, so dass auf ihr mit der Regionalbahn Schleswig-Holstein nun wieder eine Tochter der Deutschen Bahn verkehrt.

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28. Dezember 2005 – Tag des unschuldigen Kalbes

Die katholische Kirche begeht den Tag der unschuldigen Kinder, den Tag an dem König Herodes aus Angst vor dem neugeborenen König der Juden alle Kinder entsprechenden Alters töten ließ, doch auf einem Bauernhof im Dithmarschen begeht heute eher den Tag des unschuldigen Kalbes. Die Behörden wollten es im Januar 2001 töten, da in seiner Herde ein BSE-Fall diagnostiziert worden war, doch das junge Bauernpaar versteckte Jeanne d’Arc ein halbes Jahr lang zwischen Pferden, Hunden und einem Hängebauchschwein. In Kürze wird die stattlich gewordene Kuhdame zum dritten Mal Mutter.

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29. Dezember 1970 – Die letzte Fahrt des Nivea-Express

Der Eisenbahnverkehr auf Sylt wird eingestellt. Nachdem die ursprünglich eingesetzte Dampflok oft durch Sandverwehungen entgleiste, verwendete man seit 1956 einen für den Schienenverkehr umgebauten Borgward-Sattelschlepper. Wegen der Werbeaufschrift auf dem Wagen wurde der Zug im Volksmund Nivea-Express genannt.

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29. Dezember 1978 – Schneekatastrophe in Schleswig Holstein

Als am Abend des 28. Dezember die Temperaturen innerhalb weniger Minuten um mehrere Grad sinken, geht der mäßige Regen in extrem starken Schneefall über und aus dem nördlichen Schleswig-Holstein treffen erste Meldungen über Schneeverwehungen und liegengebliebene Fahrzeuge ein.

Am Morgen des 29. Dezember geht dann gar nichts mehr. Am schlimmsten betroffen sind die Landkreise Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, die Stadt Flensburg, der Norden des Kreises Rendsburg-Eckernförde sowie die Kreise Plön und Ostholstein mit der Ostseeinsel Fehmarn. Vielfach wird Katastrophenalarm ausgelöst und ein Fahrverbot verhängt. Bis zu 30.000 Helfer sind in den folgenden Tagen im Einsatz, darunter mehrere tausend Soldaten mit Panzern, die ebenfalls oft stecken bleiben. Zehn Menschen kommen ums Leben.

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31. Dezember – De Rummelpott well rin

Fru mag de Dör op, de Rummelpott well rin ... Am 31. Dezember ziehen gemäß einem uralten Brauch verkleidete und geschminkte Kinder mit dem Rummelpott von Haus zu Haus und bitten um Gaben. Vermutlich ist Rummeln, schrieb Otto Brünning 1912, ein Rest germanischer Mythologie, um die Schaden stiftenden Seelen Verstorbener abzuwehren.

Rummeln ist das plattdeutsche Wort für poltern, doch echte Rummelpötte sind rar und Fleischermeister Carsten Holtdorf aus Eckernförde ist nach einem Bericht der Husumer Nachrichten in diesem Jahr einer der wenigen, bei denen man sie für fünf Euro das Stück erwerben kann. Sie bestehen aus einer Büchse mit einer übergestreiften Schweinsblase, in der sich ein kleines Loch befindet. Steckt man einen Stock oder Reethalm hinein und reibt ihn mit feuchten Fingern, entsteht der eigentümliche Klang, dem das Instrument seinen Namen verdankt. Getrocknete Erbsen in der Dose verstärken den Lärmeffekt.

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Einst im Dezember – Nachrichten von der Westküste, letzte Ergänzung: 07.01.15